Für Menschen mit Depressionen kann es äußerst schwierig sein, ihren Zustand mit der Familie oder Freunden zu besprechen oder diese um Hilfe zu bitten. Häufig trauen sie sich nicht zuzugeben, wie sie sich fühlen, sie schämen sich oder sind ganz einfach überfordert. Der Umgang mit der Depression ist scheinbar eine unüberwindbare Hürde. Daher ist die Ermutigung und Unterstützung durch Freunde so wichtig, damit sich die Betroffenen weniger isoliert fühlen und motiviert werden, aktiv an der Bewältigung ihrer Depression zu arbeiten.
Wenn du Freunden, die an einer Depression erkrankt sind, unterstützend zur Seite stehst, kannst du sie ermutigen, Hilfe zu suchen, sich diagnostizieren zu lassen und gemeinsam mit dem Arzt an einer Behandlung zu arbeiten. Doch wie solltest du das Thema Depression bei diesen Menschen ansprechen? Vielleicht könntest du ein paar Tipps brauchen, wie ein erster Schritt in diese Richtung aussehen könnte? Wir möchten dir gerne dabei helfen und haben hier einige Anregungen zusammengestellt, die dir helfen sollen, dieses schwierige Gespräch in Gang zu bringen:
So kannst du mit einem Freund über Depression sprechen
Einige Symptome der Depression (gedrückte Stimmung, Reizbarkeit und Müdigkeit) können dazu führen, dass es den Betroffenen schwer fällt, ihre Freundschaften aufrecht zu erhalten. Häufig ziehen sich Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, von ihren sozialen Kontakten zurück und vermeiden es, ihre Probleme proaktiv mit ihren Freunden zu besprechen und Lösungen zu suchen. Außerdem sind psychische Erkrankungen in der Gesellschaft nicht selten mit einem Stigma behaftet, so dass sich beide Seiten unwohl fühlen, das Problem offen anzusprechen. Daher solltest du als Freund den ersten Schritt tun.
Wenn du den Verdacht hast, dass ein Freund von dir an einer Depression erkrankt sein könnte, dann solltest du versuchen, deine Unterstützung auf positive Weise zu demonstrieren. Du solltest dem Betroffenen klar machen, dass du ihn ernst nimmst und für ihn da sein wirst. Du könntest das z. B. folgendermaßen ausdrücken:
- Du bist mir wichtig.
- Du bist nicht allein mit diesem Problem, ich bin für dich da.
- Du musst dich nicht schuldig fühlen oder schämen, das ist doch nicht deine Schuld.
- Ich kann vielleicht nicht ganz nachvollziehen, was du durchmachst, aber ich kann dir meine Hilfe anbieten und dein Freund sein.
- Ich werde für dich da sein. Ich lass dich auf keinen Fall allein.
- Auch wenn das alles vorbei ist, werde ich noch für dich da sein.
- Es tut mir so leid, dass es dir schlecht geht. Aber mach dir um mich keine Sorgen, ich werde auf mich aufpassen. Du bist nicht allein, und ich bin auch nicht allein.
- Ich hab dich lieb (nur, wenn du es wirklich meinst).
Du kannst auch eine Umarmung anbieten, wenn du dich damit wohl fühlst.
Versuche zu vermeiden, negative Dinge zu sagen, wie z.B.:
- Reiß dich mal zusammen.
- Das Leben ist nun mal nicht so leicht.
- Hör auf, dich selbst zu bemitleiden. Reiß dich zusammen.
- Aha, du bist also depressiv. Das bist du doch ständig.
- Es gibt immer jemanden, dem es noch viel schlechter geht als dir.
- Versuch doch einfach, nicht so depressiv zu sein.
- Das ist ganz allein deine Schuld.
- Glaub mir, ich weiß, wie du dich fühlst. Ich bin auch manchmal niedergeschlagen.
Sobald du das Thema mit deinem Freund angesprochen hast, solltest du ihn ermutigen, ärztliche Hilfe aufzusuchen (falls dein Freund das nicht bereits getan hat). Wenn das geschehen ist, dann achte darauf, dass dein Freund die verordnete Behandlung auch wie angewiesen durchführt, d.h. Medikamente wie verschrieben eingenommen, Therapietermine eingehalten werden etc. Neben der ärztlichen Hilfe, die dein Freund benötigt, gibt es auch Möglichkeiten, wie du ihm als Freund auf dem Weg der Besserung zur Seite stehen kannst.
Veränderungen des Lebensstils können einigen Menschen helfen, mit Depressionen besser zu Recht zu kommen. Du könntest deinem Freund helfen, indem du ihn z.B. zu Folgendem ermutigst:
- täglich einmal an die frische Luft zu gehen und Tageslicht zu tanken – lade deinen Freund ein, mit dir zusammen eine Runde zu gehen oder im Garten zu arbeiten, wenn er nicht so gerne rausgeht.
- regelmäßig moderat Sport zu treiben – schlage doch vor, zusammen zum Sport zu gehen. Ermutige deinen Freund zur Teilnahme, indem du ihn daran erinnerst, wie gut er sich danach immer fühlt.
- Selbstkritik zu vermeiden – du kannst dabei helfen, indem du das Erreichte anerkennend erwähnst, egal wie klein die Fortschritte auch sein mögen, mache, wann immer möglich, positive Kommentare, erinnere deinen Freund z.B. daran, dass er letzte Woche drei gute Tage hatte und in der Woche zuvor zwei – dass es ihm also immer etwas besser geht.
- gesund und ausgewogen zu essen – schlage vor, gemeinsam zu kochen oder lade deinen Freund zum Essen zu dir ein.
Du solltest dir auch bewusst machen, dass dein Freund ausreichende Ruhephasen braucht – biete ihm also praktische Unterstützung an, wie Einkaufen oder Saubermachen. Versuche deine Motivationsvorschläge im Rahmen zu halten, d.h. zwinge die Person nicht dazu, etwas zu tun, wozu sie nicht bereit ist. Wenn dein Freund z.B. seine persönliche Hygiene vernachlässigt hat, könntest du vielleicht eine cremige Seife oder ein entspannendes Schaumbad vorbeibringen. Dabei kann er sich entspannen und gleichzeitig sein Selbstwertgefühl wieder aufbauen.
Du kannst auch helfen, indem du:
- per Telefon und/oder E-Mail mit deinem Freund in Kontakt bleibst.
- Aktivitäten vermeidest, bei denen zu viel Alkohol konsumiert wird, da sich die Symptome einer Depression durch Alkohol verschlechtern können.
- Zeit für Aktivitäten einplanen, die ihr gemeinsam genießen könnt.
Im Allgemeinen solltest du deinen Freund dazu anhalten, mehr über Depressionen und die Behandlung von Depressionen zu lernen. Dadurch wird er ermutigt, die Behandlung nach den Vorgaben des Arztes durchzuführen und um Hilfe zu fragen, falls etwas nicht so läuft wie erwartet. Auf diese Weise erfahren die Betroffenen auch, dass eine Besserung möglich ist. Die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis deines Freundes können unter Umständen durch die Krankheit beeinträchtigt sein, deshalb könnte es für euch beide hilfreich sein, gemeinsam mehr über Depressionen zu lernen. Auch Hörbücher können ideal sein, falls es deinem Freund schwer fallen sollte, Informationen aufzunehmen und sich auf Geschriebenes zu konzentrieren.
Wenn einer deiner Freunde über Selbstmord spricht oder bereits versucht hat, sich das Leben zu nehmen
Selbstmord- und Todesgedanken können ein Hauptsymptom der Depression sein und sollten sehr ernst genommen werden. Wenn ein Freund Selbstmordgedanken ausspricht, so versichere ihm, dass sein Leben dir und vielen anderen Menschen sehr wichtig ist und dass es ihm durch eine entsprechende Behandlung besser gehen kann. Egal wie schwierig es dir erscheinen mag, dich um jemanden zu kümmern, der Selbstmordgedanken hegt, so ist es doch sehr wichtig, dass du diesem Menschen zeigst, dass er dir wichtig ist.
Wenn einer deiner Freunde Selbstmordgedanken hegt, wende dich an Fachleute im Gesundheitsbereich (z.B. den Hausarzt oder Psychiater, den Notdienst, Sozialdienste). Ermutige die betroffene Person, selbst Hilfe und Unterstützung zu suchen. Wichtig kann auch sein, die Kontaktdaten für eine Krisenintervention zur Hand zu haben, z.B. Die Dargebotene Hand: Telefon 143.





